Einfluss der hochwirksamen Hepatitis C Therapien auf die Krankheitslast bedingt durch HCV Infektionen bei Personen mit einem erhöhten Risiko für Hepatitis C. Open Forum Infectious Diseases
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich zum Ziel gesetzt, Hepatitis C Virus (HCV) Neuinfektionen bis 2030 um 90% zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen ist es entscheidend, die Entwicklung von HCV Infektionen in Personengruppen mit einem erhöhten Risiko für HCV zu kennen. In der vorliegenden Studie aus der Schweizerischen HIV Kohortenstudie haben die Autoren untersucht, welche Auswirkung die Verfügbarkeit der neuen hochwirksamen Hepatitis C Medikamente (Direct Acting Agents; DAAs) auf die HCV Epidemie bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) und bei Personen, die Drogen intravenös konsumieren (PWID), hatte. Die Autoren konnten zeigen, dass – erfreulicherweise – in den letzten Jahren die Behandlung der HCV Infektionen mit DAAs deutlich zugenommen hat. Weshalb diese Zunahme an DAA Behandlungen bei der Gruppe der MSM nicht reichen wird, um die HCV Epidemie einzudämmen, lesen sie weiter unten.
Insgesamt wurden in der Studie zwischen 2005 bis 2016 5’267 MSM und 1’805 PWID über einen Zeitraum von 38’693 beziehungsweise 14’748 Personenjahre nachverfolgt.
Folgende Resultate hat die Studie ergeben:
– Die Zunahme an DAA Behandlungen nahm seit 2012 sehr schnell zu und erreichte Spitzenwerte von 28 Behandlungen pro 100 Personenjahre bei den MSM und von 18 Behandlungen pro 100 Personenjahre bei den PWID.
– Die Anzahl an HCV Neuinfektionen nahm bei den MSM massiv zu und verfünffachte sich im Beobachtungszeitraum der Studie.
– Bei den PWID gab es über den gesamten Beobachtunsgszeitraum bloss eine einzige HCV Neuinfektion.
– Die Anzahl an HCV Re-Infektionen, das heisst eine erneute Ansteckung nach erfolgreicher DAA Therapie oder Spontanheilung, nahm bei den MSM massiv zu und verzehnfachte sich im Beobachtunsgszeitraum.
– Die Anzahl Re-Infektionen nahm bei den PWID im Beobachtunsgszeitraum um das Dreifache ab.
– Die Anzahl Patienten mit einer aktiven HCV Infektion nahm bei den PWID kontinuierlich ab, während dessen sie sich bei den MSM verdoppelte.
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass die Zunahme und die Wirksamkeit der DAA Behandlungen zur Folge hatte, dass die Anzahl an aktiven HCV Infektionen bei den PWID in der Schweizerischen Kohortenstudie über die letzten Jahre deutlich abgenommen hat. Im Gegensatz hierzu wurde bei den MSM die Zunahme an DAA Behandlungen wieder ausgeglichen durch die sehr hohe Anzahl an Neu- und Re-Infektionen. Nebst der niederschwelligen Verfügbarkeit der DAA Therapien und dem raschen Therapiebeginn sind somit bei MSM zusätzliche Massnahmen notwendig, um die HCV-Epidemie einzudämmen. Hierzu gehören gezielte Massnahmen, welche eine Senkung des Risikoverhaltens zur Folge haben und der konsequente Kondomgebrauch bei Analverkehr mit Gelegenheitspartnern.