Langfristiges HIV-Infektionsrisiko bei Personen, die sich einer HIV Postexpositionsprophylaxe unterzogen haben. Â Â Nature Communications
Die medikamentöse Postexpositionsprophylaxe (PEP) bezeichnet die Einnahme von drei antiretroviralen Medikamenten zur Verhinderung der Übertragung von HIV nach einer Exposition, meistens nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Obwohl die PEP eine etablierte Massnahme zur Verhinderung der HIV-Infektionen darstellt, sind die Erkenntnisse über das langfristige HIV-Infektionsrisiko bei Personen, welche eine PEP eingenommen haben, nach wie vor lückenhaft.
In dieser retrospektiven Datenverknüpfungsstudie haben wir das Auftreten von HIV-Infektionen bei 975 Personen untersucht, welche zwischen 2007 und 2013 am Universitätsspital Zürich eine Konsultation zur Abklärung einer PEP in Anspruch genommen haben. Mithilfe einer datenschutzfreundlichen statistischen Methode verknüpften wir diese 975 Datensätze mit den Datenbanken der Schweizer HIV-Kohortenstudie(SHCS) und der Zürcher HIV-Primoinfektionskohorte (ZPHI). Während dem oben erwähnten Zeitraum war in der Schweiz die HIV-Präexpositionsprophylaxe noch nicht verfügbar.
Die Kombination mehrerer Beobachtungsdatenbanken ermöglichte es uns, außergewöhnlich lange Nachbeobachtungsdaten zu erhalten und somit das langfristige Risiko für eine HIV-Infektion zu bestimmen. Wir konnten mit dieser Methode 22 HIV-Infektionen identifizieren, von welchen etwa die Hälfte mehr als vier Jahre nach der PEP-Konsultation diagnostiziert wurden.
Obwohl Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), nur 36 Prozent der Personen ausmachten, die eine PEP-Konsultation in Anspruch nahmen, traten alle 22 HIV-Infektionen in dieser Gruppe auf. Diese Ergebnisse sollten somit dazu führen, bei MSM nach einer ersten HIV-PEP frühzeitig eine Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in Betracht zu ziehen.