SHCS

Swiss HIV Cohort Study

& Swiss Mother and Child HIV Cohort Study

Deutschmann et al., Häufigkeit von Arzneimittelwechselwirkungen bei Menschen mit HIV in der SHCS

Deutschmann et al., Häufigkeit von Arzneimittelwechselwirkungen bei Menschen mit HIV in der SHCS

20th July, 2022

Häufigkeit von Arzneimittelwechselwirkungen bei Menschen mit HIV in der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie im Zeitalter der Integrasehemmer.   Clinical Infectious Diseases

Wir haben in einer früheren Studie der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie (SHCS) nachgewiesen, dass die Häufigkeit von Arzneimittelwechselwirkungen mit antiretroviralen Therapien hoch ist. Die Studie war 2008 durchgeführt worden, als die Proteasehemmer Efavirenz und Nevirapin zu den Erstlinientherapien gehörten. Diese antiretroviralen Medikamente haben ein hohes Potenzial für Arzneimittelwechselwirkungen aufgrund der Eigenschaften der Enzyme, die die Medikamente verstoffwechseln: Sie hemmen oder erhöhen die Aktivität. Die HIV-Therapie hat sich in den letzten Jahren mit der Einführung von nicht pharmakologisch verstärkten («geboosterten») Integrasehemmern, die heute zu den Erstlinientherapien gehören und den Vorteil haben, dass sie ein geringes Risiko für Arzneimittelwechselwirkungen aufweisen, erheblich weiterentwickelt.

Ziel dieser Studie war es, die Häufigkeit von Arzneimittelwechselwirkungen im Jahr 2018, im Zeitalter der Integrasehemmer, zu bewerten und mit unserer früheren Studie aus dem Jahr 2008 zu vergleichen.

Die Beobachtungsstudie umfasste 9’298 Teilnehmende, überwiegend Männer (72%) mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren. Ungeboosterte Integrasehemmer wurden bei 40% der Teilnehmer eingesetzt, während 60% antiretrovirale Therapien erhielten, die zu Arzneimittelwechselwirkungen führen könnten. Betrachtet man alle SHCS-Teilnehmende, so hatten 29% >1 potenziell klinisch relevante Wechselwirkungen. Betrachtet man nur die Teilnehmenden, die eine Co-Medikation erhielten (68% der gesamten SHCS), lag die Häufigkeit potenziell relevanter Arzneimittelwechselwirkungen im Jahr 2018 bei 43%, während sie 2008 noch 59% betragen hatte. Im Vergleich zu 2008 erhielten weniger Teilnehmende (-24%) einen geboosterten Proteasehemmer oder eine Behandlung, die Efavirenz oder Nevirapin beinhaltete (-13%). Dagegen war die Verwendung von Co-Medikationen im Jahr 2018 höher, was wahrscheinlich mit der Alterung der Bevölkerung zusammenhängt.

Die Studie zeigt, dass die Häufigkeit von Arzneimittelwechselwirkungen im Jahr 2018 im Vergleich zu 2008 bei der Verwendung von nicht geboosterten Integrasehemmern zurückging. Allerdings fiel der Rückgang weniger stark aus als erwartet. Diese Beobachtung ist darauf zurückzuführen, dass ein großer Teil der Teilnehmenden noch immer antiretrovirale Therapien erhält, bei denen es zu Wechselwirkungen kommen kann, und auch darauf, dass die Zahl der Co-Medikationen aufgrund der Alterung der Bevölkerung zunimmt.

PubMed

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