Antikörperreaktion bei immungeschwächten Personen nach COVID-19 Impfung mit Pfizer-BioNTech und Moderna Impfung. Clinical Infectious Diseases
In der Schweiz wurden die beiden COVID-19 Impfstoffe von Pfizer-BioNTech und Moderna im Dezember 2020 und Januar 2021 zugelassen. Beide Impfungen wurden in Zulassungsstudien mit mehreren zehntausend Teilnehmenden getestet. Basierend auf diesen Studien wurden die Impfungen als sicher und bezüglich des Schutzes vor einer COVID-19 Infektionen als wirksam eingestuft. Da die Datengrundlage für beide Impfungen bei Personen mit einer reduzierten Immunabwehr äusserst gering war, wurde im Frühjahr 2021 die «COVERALL» Studie durchgeführt.
Die COVERALL Studie wurde in zwei langjährig bestehenden nationale Kohortenstudien eingebettet (Schweizerische HIV Kohortenstudie und Schweizerische Transplantationskohortenstudie). Sowohl Personen mit einer HIV Infektion als auch Empfänger:innen eines transplantierten Organs, die bereits in diesen Kohortenstudien mitmachten, wurden zur Teilnahme an der COVERALL Studie angefragt. Teilnehmende an der Studie wurden zufällig entweder dem COVID-19 Impfstoff von Moderna oder demjenigen von Pfizer-BioNTech zugeteilt und erhielten im Rahmen der Studie die ersten zwei Dosen des Impfstoffs. Acht Wochen nach Verabreichung der zweiten Impfdosis wurde untersucht, bei wie vielen Personen es zu einer angemessenen Antikörperantwort kam. Zusätzlich wurde untersuchten, wie oft Nebenwirkungen auftraten.
412 Teilnehmende wurden eingeschlossen und ausgewertet, wovon 341 Personen eine HIV Infektion hatten und 71 Empfänger:innen eines transplantierten Organs waren. Von diesen 412 Teilnehmenden erhielten 202 den COVID-19 Impfstoff von Moderna und 210 den Impfstoff von Pfizer-BioNTech. Die Resultate zeigen, dass der grösste Teil der eingeschlossenen Teilnehmenden eine angemessene Immunantwort hatten, unabhängig vom erhaltenen Impfstoff (Moderna: 186 von 202 Teilnehmenden, 92.1%; Pfizer-BioNTech: 198 von 210 Teilnehmenden, 94.3%). Mit einem strengeren Grenzwert für den diagnostischen Test von Roche ist dieser Anteil etwas tiefer.
Teilnehmende mit einer HIV Infektion hatten aber auch mit diesem Grenzwert eine angemessene Antikörperantwort (339 von 341, 99.4%). Im Gegensatz dazu hatten nur ein relativ kleiner Anteil der Empfänger:innen eines transplantierten Organs ausreichend Antikörper gebildet (17 von 71, 23.9%). Die Impfungen waren im Allgemeinen sicher, es kam aber nach der zweiten Impfdosis doch relativ häufig zu Nebenwirkungen wie Fieber und grippeähnlichen Symptomen, welche 16.2% der Teilnehmer:innen daran hinderte ihren täglichen Aktivitäten nachzugehen (Moderna Impfstoff: 21.8%; Pfizer-BioNtech Impfstoff: 10.7%).
Die Studie zeigt, dass die Antikörperantwort der Impfstoffe von Moderna und Pfizer-BioNTech bei Personen mit einer reduzierten Immunabwehr vergleichbar ist. Empfänger:innen eines transplantierten Organs haben nach der Verabreichung von zwei Dosen eines COVID-19 Impfstoffs oft keine ausreichende Immunantwort und benötigen weitere Impfdosen.