Leberfettvermehrung bei Menschen mit HIV.  Open Forum Infectious Diseases
Die Lebenserwartung von Menschen mit HIV hat in der Schweiz in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dies hat zur Folge, dass Komplikationen wie Übergewicht und Diabetes in den Fokus rücken. Eine Folge dieser Erkrankungen stellt die Leberfettvermehrung (Steatose) dar. In dieser Studie wurden Faktoren untersucht, die das Auftreten von Leberfettvermehrung bei Menschen mit behandelter HIV-Infektion beeinflussen.
Die Studie umfasste 416 Personen des Berner Inselspitals. Um eine mögliche Leberverfettung erfassen zu können, wurde bei allen Teilnehmern eine sogenannte transiente Elastografie der Leber durchgeführt. Bei diesem nicht-invasiven Verfahren, ähnlich dem eines Ultraschalles, wird die Lebersteifigkeit und die Verfettung der Leber gemessen.
Die Studie zeigte, dass 50% der Teilnehmenden Anzeichen einer Leberfettvermehrung hatten. Dieser Anteil betrug 70% bei Personen mit Übergewicht, verglichen mit 31% bei normalgewichtigen Menschen. Risikofaktoren für Leberfettvermehrung waren Alter über 50 Jahre, Übergewicht oder Fettleibigkeit und europäische Abstammung. Personen, die zum Zeitpunkt der Messung Tenofovir alafenamid (TAF; eine Teilsubstanz zur Behandlung von HIV) erhielten, hatten im Vergleich zu denjenigen ohne diesem Medikament eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, eine Leberfettvermehrung zu haben. Ein Zusammenhang mit der Verwendung der Klasse von HIV-Integrasehemmern konnte nicht nachgewiesen werden.
Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass die Leberfettvermehrung bei Menschen mit HIV ein häufiges Problem darstellt. Nebst den klassischen Risikofaktoren zeigte sich auch eine Assoziation mit der Verwendung des häufig eingesetzten HIV-Medikamentes TAF. Der hohe Anteil von Menschen mit Leberfettvermehrung selbst bei Fehlen von Fettleibigkeit macht deutlich, dass weitere Studien nötig sind, um die Mechanismen der stoffwechselbedingten Erkrankungen bei Menschen mit HIV besser zu verstehen.