Keine vorbeugenden Antibiotika bei Erwachsenen mit HIV unter antiretroviraler Therapie bei einer CD4-Zellzahl über 100 Zellen/μl erforderlich.  Journal of the International AIDS Society
Die Lungenentzündung, verursacht durch den Pilz Pneumocystis jirovecii (PcP), ist eine der häufigsten Komplikationen der HIV-Infektion. Sie tritt bei unbehandelten Patientinnen und Patienten mit schwerer Abwehrschwäche (tiefen CD4-Lymphozyten) auf. Diese Lungenentzündung muss über drei Wochen mit hochdosierten Antibiotika behandelt werden. Nach Absetzen der Behandlung kann diese Infektion aber erneut auftreten, solange das Immunsystem geschwächt ist.
Deshalb muss gemäss den bisherigen Richtlinien nach der Behandlung der Lungenentzündung eine Vorbeugung (Prophylaxe) mit einem Antibiotikum drei Mal wöchentlich eingenommen werden. Sie wird eingenommen bis unter antiretroviraler Therapie die CD4 Lymphozyten über 200 Zellen/µL angestiegen sind. Dies kann mehrere Monate bis Jahre dauern.
In einer Untersuchung der Schweizerischen HIV Kohortenstudie (SHCS) und verschiedenen anderen europäischen Kohorten konnte gezeigt werden, dass diese antibiotische Prophylaxe schon gestoppt werden kann, wenn unter antiretroviraler Therapie die CD4-Lymphozyten über 100 Zellen/µL ansteigen und die Viruslast unterdrückt ist. Danach tritt die Pneumocystis Lungenentzündung nicht wieder auf. Dies ermöglicht, dass die vorbeugenden Antibiotika mehrere Monate früher abgesetzt werden können, was für Patienten und Patientinnen eine Erleichterung darstellen kann.