Einfluss der M184V/I Mutation auf die Wirksamkeit der Kombinationstablette Triumeq® bei behandlungserfahrenen Patienten. Open Forum Infectious Diseases.
Bei Patienten, welche aufgrund einer schlechten Therapietreue oder einer nicht voll wirksamen HIV-Therapie ein virologisches Versagen machen, können Mutationen in bestimmten HIV-Genabschnitten auftreten, welche zu einer Resistenz auf gängige HIV-Medikamente führen. Die häufigste Resistenzmutation in der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie (SHCS) ist die sogenannte M184V/I Mutation, welche zu einer verminderten Wirksamkeit der HIV Substanzen Lamivudin (3TC® und Abacavir (Ziagen®) führt. Diese beiden Substanzen werden für die Behandlung der HIV-Infektion häufig eingesetzt, in vielen Fällen in Kombination mit der Substanz Dolutegravir (Tivicay®) als sogenanntes single pill regimen Triumeq®. Die Autoren haben nun in der vorliegenden Kollaborationsstudie untersucht, ob bei therapieerfahrenen Patienten, welche die M184V/I Mutation aufweisen und auf Triumeq® umgestellt werden, die HIV Viruslast weiterhin unterdrückt bleibt. Diese Frage ist auch deshalb von Bedeutung, da nun Dolutegravir und Lamivudin als Teil einer HIV-Kombinationstherapie auf dem afrikanischen Kontinent häufig eingesetzt wird und viele dieser Patienten die M184V/I Mutation aufweisen. Ob Triumeq® trotz vorhandener M184V/I Mutation wirksam ist, lesen sie weiter unten.
In der vorliegenden Studie wurden Daten aus fünf großen HIV-Kohortenstudien in vier europäischen Ländern (Frankreich, Italien, den Niederlanden und der Schweiz) ausgewertet. Die Patienten waren alle therapieerfahren und wiesen eine unterdrückte Viruslast auf, bevor sie auf Triumeq® umgestellt wurden. Insgesamt wurden die Daten von 1’626 Patienten ausgewertet, wobei bei 137 Patienten (8.4%) eine dokumentierte M184V/I Mutation vorlag. In der vorliegenden Analyse stammten 778 Patienten aus der SHCS, davon hatten 56 Patienten (7.2%) eine M184V/I Mutation. Analysiert wurde bei den Patienten mit und ohne M184V/I Mutation die Häufigkeit eines virologischen Versagens. Ein virologisches Versagen war als zweimalige Viruslastmessungen >50 Kopien pro Milliliter Blut definiert.
Der Beobachtungszeitraum betrug im Median 288 Tage. Die Patienten mit einer dokumentierten M184V/I Mutation hatten bei Start ihrer ersten HIV-Therapie eine tiefere CD4-Zellzahl und waren länger vorbehandelt als Patienten ohne M184V/I Mutation. Insgesamt trat ein virologisches Versagen nach switch auf Triumeq® sehr selten auf: nur insgesamt 21 Patienten (1.29%) erfüllten die Definition eines virologischen Versagens. Ein virologisches Versagen trat bei 17 der 1’489 Patienten (1.2%) ohne M184V/I Mutation auf und bei 4 der 137 Patienten (3%) mit M184V/I Mutation. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Bei den Patienten, welche ein virologisches Versagen hatten, traten zudem keine neuen Resistenzmutationen auf.
Zusammenfassend fand diese internationale Kollaborationsstudie eine extrem niedrige Rate an virologischen Versagen bei behandlungserfahrenen Patienten, welche auf das single pill regimen Triumeq® umgestellt wurden. Zudem war das Risiko eines virologischen Versagens bei Patienten mit einer dokumentierten M184V/I Mutation trotz verminderter Wirksamkeit auf Abacavir und Lamivudin nicht erhöht. Dies zeigt deutlich auf, wie potent die neueren Integrasehemmer wie Dolutegravir oder Bictegravir sind und dass aufgrund ihrer hohen Resistenzbarriere auch bei einem virologischen Versagen das Auftreten von zusätzlichen Resistenzmutationen unwahrscheinlich ist. Allerdings braucht es noch mehr Daten und eine längere Beobachtungsdauer, um die Resultate der vorliegenden Studie bestätigen zu können.