Neurokognitive Einschränkungen bei Patienten*innen aus der SHCS
Neurokognitive Einschränkungen (Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Probleme bei Entscheidungsfindungen) sind bei HIV-infizierten Personen häufig. Frühere Studien kamen zum Schluss, dass bei Untersuchungen mittels neuropsychologischer Tests bis die Hälfte aller HIV-infizierter Personen eine solche neurokognitive Einschränkung aufwiesen. Die vorliegende Studie hat nun untersucht, wie oft eine neurokognitive Einschränkung bei den Patienten*innen aus der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie (SHCS) vorkommt und welche Faktoren das Auftreten einer eben solchen begünstigen. Erfreulicherweise zeigt die Studie, dass in der SHCS neurokognitive Einschränkungen über die Zeit abgenommen haben. Dennoch gibt es eine Gruppe von Patienten*innen, bei welcher diese weiterhin bestehen. Welche Personen davon betroffen sind, lesen sie weiter unten.
In der SHCS wird das Auftreten von neurokognitive Einschränkungen halbjährlich erfragt, in dem die Patienten*innen je drei Fragen zu Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsdefiziten und Problemen bei Entscheidungsfindungen beantworten. In der vorliegenden Studie wurden nun insgesamt 79’683 Fragebögen von 11’029 Patienten*innen über eine Zeitspanne von mindestens 2.5 Jahren (5 Fragebögen) in den Jahren 2013 bis 2017 ausgewertet. Mittels spezieller statistischer Tests wurden in einem ersten Schritt Gruppen gebildet, welche dieselben Verläufe bezüglich neurokognitiver Einschränkungen aufwiesen und in einem zweiten Schritt untereinander vergleichen.
Die Resultate der Studie waren wie folgt: Der Prozentsatz an Patienten*innen, welche über neurokognitive Einschränkungen berichteten, nahm in der untersuchten Zeitspanne (2013 bis 2017) von 19.6 Prozent auf 10.7 Prozent deutlich ab. Die Gruppe an Patienten*innen mit einem hohen Vorkommen an neurokognitiven Einschränkungen hatte im Vergleich zu der Gruppe mit einem niedrigen Vorkommen signifikant häufiger frühere AIDS-definierende Erkrankungen des Zentralnervensystems, eine schlechtere Medikamententreue, und häufiger Depressionen.
Zusammenfassend zeigt diese Studie eindrücklich, dass neurokognitive Einschränkungen bei unseren Patienten*innen aus der SHCS über die letzten Jahre abgenommen haben. Dies ist höchstwahrscheinlich durch die potenteren HIV-Therapien und den früheren Beginn der HIV-Therapie bedingt. Allerdings zeigt die Studie auch, dass bei Patienten*innen mit einer früheren Erkrankung des Zentralnervensystems das Vorkommen an neurokognitiven Einschränkungen erhöht ist, selbst wenn die Erkrankung vor vielen Jahren stattgefunden hat und die Patienten*innen unter einer wirksamen HIV-Therapie stehen. Zusätzlich zeigt die Studie auch, dass Patienten*innen mit einer mangelhaften Therapietreue oder mit Depressionen besonders sorgfältig auf neurokognitive Einschränkungen abgeklärt werden sollten.