Veränderungen der Herzkranzgefässe bei HIV-positiven und HIV-negativen Personen in der Schweiz. European Heart Journal
HIV-positive Personen haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unklar ist, ob dieses Risiko dadurch zustande kommt, dass bei HIV-positiven Personen häufiger Veränderungen der Herzkranzgefässe auftreten, welche das Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen. Die Autoren dieser Studie haben in der vorliegenden Studie mittels einem neuen Schnittbildverfahren den Zusammenhang zwischen der HIV-Infektion und dem Auftreten von Veränderungen der Herzkranzgefässe untersucht. Die gute Nachricht: HIV-positive Personen wiesen in dieser Studie nicht mehr Veränderungen der Herzkranzgefässe auf als die Allgemeinbevölkerung. Weshalb dieses Resultat erstaunt hat und welches mögliche Gründe für dieses Resultat sind, lesen sie weiter unten.
Frühere Studien haben gezeigt, dass HIV-positive Personen häufiger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle betroffen sind. Als Grund nimmt man an, dass die blutversorgenden Gefässe dieser Patienten häufiger von Verkalkungen und Einengungen betroffen sind und diese Herz-Kreislauf-Erkrankungen somit rascher auftreten können. Forscher der Schweizerischen HIV Kohortenstudie (SHCS) haben nun in einer grossen Studie mit dem Titel «Metabolic and Aging» (M&A) bei 428 HIV-positiven Personen mittels einem modernen Schnittbildverfahren die Herzkranzgefässe untersucht und angeschaut, wie oft die Herzkranzgefässe Veränderungen aufgewiesen haben. Diese Untersuchung wurde zudem an 276 HIV-negativen Personen durchgeführt und die Resultate zwischen diesen beiden Gruppen verglichen.
Insgesamt waren die HIV-positiven Personen in dieser Studie durchschnittlich etwas jünger als die HIV-negativen Personen. Allerdings wiesen gemäss einem berechneten Score beide Gruppen dasselbe Risikoprofil und dieselbe Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Herzkreislauferkrankungen auf.
Die Auswertung der Schnittbilduntersuchung von beiden Personengruppen zeigte, dass das Vorkommen von Veränderungen an den Herzkranzgefässen in beiden Gruppen gleich häufig war (HIV-Positive 53%; HIV-Negative 56%). Zudem gab es in beiden Gruppen keinen Unterschied im Ausmass der Verkalkungen an den Herzkranzgefässen. Nach Korrektur der statistischen Analysen für verschiedene beeinflussende Faktoren zeigte sich bei der HIV-positiven Gruppe gar ein geringeres Vorkommen und ein geringeres Ausmass von Verkalkungen an den Herzkranzgefässen. Eine tiefe T-Helferzell-Anzahl war bei den HIV-positiven Personen hingegen mit mehr Veränderungen der Herzkranzgefässe vergesellschaftet.
Zusammenfassend zeigte sich in dieser Studie bei HIV-positiven Personen keine häufigere Veränderung der Herzkranzgefässe im Vergleich zu der Allgemeinbevölkerung. Im Gegenteil, eine HIV-Infektion war in den statistischen Modellen sogar mit weniger Verkalkungen und einem geringeren Ausmass an Verkalkungen der Herzkranzgefässe vergesellschaftet. Ebenfalls ergab die Studie keine Hinweise darauf, dass die Herzkranzgefässe von HIV-positiven Personen schneller altern als diejenigen der Allgemeinbevölkerung. Die vorliegende Studie kommt somit zu einem anderen Ergebnis als frühere Studien, welche bei HIV-positiven Personen mehr Veränderungen an den Herzkranzgefässen gefunden hatten. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass die Teilnehmer der aktuellen Studie insgesamt gesünder waren, dass weniger Raucher eingeschlossen wurden und dass die Patienten der SHCS eine bessere Behandlung der HIV Infektion aufgewiesen hatten im Vergleich zu den Teilnehmern früherer Studien.