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Dankesbrief zum Jahreswechsel

2009/2010

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren

 Wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihre Teilnahme an der Schweiz. HIV-Kohorten Studie (SHCS). Die seit 1988 bestehende Studie erlaubt uns, die Krankheit besser zu verstehen und vielfach die Betreuung der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Seit 1988 werden Daten zum Krankheitsverlauf von über 16'000 HIV-infizierten Menschen gesammelt und ausgewertet. Zurzeit nehmen über 7500 Menschen wie Sie aktiv an der SHCS teil, davon sind fast ein Drittel Frauen. Über 85% der Studienteilnehmer/innen nehmen Medikamente gegen das HI-Virus ein.

Wie jedes Jahr möchten wir Sie zum Jahreswechsel über wichtige Erkenntnisse informieren und Ihnen vor allem für Ihre engagierte Teilnahme danken. Für weitere Informationen und Fragen steht Ihnen Ihr Arzt, Ihre Ärztin, wie auch das Pflegepersonal zur Verfügung. Sie können auch direkt auf die Internetseite der SHCS zugreifen (http://www.shcs.ch/).

 Die HIV-Infektion, nicht nur eine Krankheit des Abwehrsystems

In den letzten Monaten wurde klar, dass die langdauernde HIV-Infektion nicht nur das Abwehrsystem beeinträchtigt. Ohne antiretrovirale Therapie führt die tägliche Produktion von vielen Milliarden von Viren zu einer Aktivierung von Entzündungszellen und somit zu einer Dauerbelastung des Körpers. Dies wiederum kann – schon bevor AIDS auftritt - zu einer Funktionseinbusse von Leber, Niere, Herz, Gefässen und Knochen führen. Wir versuchen in Zukunft, diese Mechanismen innerhalb der SHCS besser zu erfassen und zu verstehen.

 Die HIV-Infektion, eine chronische behandelbare Krankheit

Verschiedene Studien haben auch im Jahre 2009 bestätigt, dass die HIV-Infektion bei den meisten Patienten mit den zur Verfügung stehenden antiretroviralen Medikamenten erfolgreich behandelt werden kann. Bei regelmässiger Einnahme der Medikamente wird das Risiko, an AIDS zu erkranken, enorm reduziert und die Lebenserwartung steigt massiv an.. Diese dürfte bei einem beträchtlichen Teil der mit HIV lebenden Menschen einen ähnlichen Bereich erreichen wie bei Menschen ohne HIV.

 Schwierigkeiten mit der Behandlung der HIV-Infektion

Adhärenz: Schwierige persönliche Situationen erschweren die korrekte Einnahme (Adhärenz) der HIV-Therapie. Deshalb ist es wichtig, vor Beginn der antiretroviralen Therapie auf die Lebensumstände unserer Patientinnen und Patienten einzugehen. Insbesondere Suchtkrankheiten können den Erfolg der Behandlung beeinträchtigen. Wir konnten dies in zwei Untersuchungen nachweisen. Einerseits haben Patienten, welche zu viel Alkohol konsumieren, Schwierigkeiten, die Medikamente korrekt einzunehmen. Andererseits konnte aber auch gezeigt werden, dass Patienten mit einer Geschichte von intravenösem Drogenkonsum gut auf die Behandlung ansprechen, falls sie innerhalb eines Substitutionsprogramms mit Methadon oder Heroin ihr Leben ordnen können.

Langzeitnebenwirkungen: Da sich die HIV-Behandlung über viele Jahre erstreckt, versuchen wir in der SHCS, Langzeitnebenwirkungen besser zu erfassen. Wir haben deshalb unseren Fragebogen ausgebaut, um insbesondere Nebenwirkungen auf Leber, Niere, Herz, Gefässe und Knochen noch besser zu erfassen. Mit diesen Erkenntnissen können wir in Zukunft auch die Behandlungen besser anpassen, falls bei einzelnen Patienten ein erhöhtes Risiko für solche Erkrankungen erkannt wird. Zudem untersuchen wir, ob gewisse Nebenwirkungen auf vererbte Veranlagungen zurückzuführen sind.

 Wann sollte mit einer HIV-Behandlung begonnen werden?

In einer grossen Zusammenarbeit von mehrheitlich europäischen Kohortenstudien konnte im letzten Jahr gezeigt werden, dass es vorteilhaft ist, mit einer HIV-Behandlung zu beginnen, falls die CD4 Lymphozyten unter 350 Zellen pro Mikroliter Blut abfallen, auch wenn sich die Patienten noch nicht krank fühlen. Dies mag mit der oben beschriebenen Belastung des Körpers durch die tägliche Produktion von Milliarden von Viren zusammenhängen. Unter Mitwirkung von Experten der SHCS wurden deshalb die europäischen Richtlinien überarbeitet und im November 2009 herausgegeben. Ob ein noch früherer Behandlungsbeginn Vorteile bringt, ist unklar. Es ist aufgrund des bisherigen Wissens nach wir vor nicht abzuschätzen, ob bei einem sehr frühen Behandlungsbeginn der Vorteil der Hemmung der Virusproduktion oder der Nachteil von Nebenwirkungen und Resistenzentwicklung überwiegt. Dies wird in der internationalen START Studie untersucht, an welcher sich ab 2010 auch schweizerische Patienten beteiligen können.

 Behandlung resistenter Viren, neue Medikamente

Glücklicherweise kamen in den letzen zwei Jahren neue Medikamente auf den Markt, mit welchen auch bisher resistente HI-Viren behandelt werden können. Wir haben im Rahmen der Kohortenstudie den Einsatz dieser Medikamente bei unseren Patienten untersucht und sind heute besser in der Lage, diese gezielt und wirkungsvoll einzusetzen. Die entsprechenden Medikamentenkombinationen sind meist etwas komplizierter einzunehmen und setzen höhere Anforderungen an die Adhärenz voraus. Das Wissen um die Problematik der resistenten Viren zeigt erfreuliche Folgen: Eine umfassende Untersuchung innerhalb der SHCS konnte zeigen, dass es heute weniger Resistenzentwicklungen gibt als noch vor wenigen Jahren.

Neben dem oben Erwähnten ergaben die Untersuchungen der SHCS viele weitere wichtige Resultate: Unter anderem zu den Mechanismen des Wiederaufbaus des Abwehrsystems unter Behandlung, zur Reaktion von HIV-Patienten auf Impfungen, zum Zusammenspiel von chronischer Hepatitis und HIV und zum Krebsrisiko bei HIV-Infektion.

 Ihre Teilnahme bleibt wichtig

Dank ihrer Teilnahme an der Kohortenstudie können wir die vielen Herausforderungen der Langzeitbehandlung der HIV-Infektion auch in Zukunft angehen. Wir sprechen Ihnen hiermit unseren herzlichen Dank für Ihr Vertrauen aus und schätzen uns glücklich, wenn wir Ihnen das Vertrauen in Form von guter Betreuung, Information und Fortschritten zurückgeben dürfen.

Wir wünschen Ihnen zum Jahreswechsel alles Gute.